Alte Rheingauer Straße #0 - Intro

Die Alte Rheingauer Straße ist eine Altstraße bzw. eine historische Handelsroute (u.a. für Wein), welche mit einer Länge von rund 16 Kilometern die Region um Eltville/Walluf nach Nord/Nordost mit Wiesbaden und Taunusstein verband (teils noch verbindet). Ab Wehen hat sie über die Wehen-Limburger-Straße direkten Anschluss an die Hühnerstraße (Goldener Grund etc.). 

Es folgt eine Fotoserie mit knapp 100 Bildern.
Hinter diesem Link sind alle Artikel am Stück zu sehen. 

Ich eiere oben mit den Begriffen Altstraße/Route so herum, weil die originalen Wegverläufe teils wenig mit den noch heute "Alte Rheingauer Straße" genannten Forststraßen zu tun haben. Die Alte Rheingauer Straße ist Jahrhunderte alt, oder älter. In früheren Zeiten verliefen die Handelswege unbefestigt über den natürlichen Boden. Vor allem in Abschnitten mit Hangneigung bildeten sich durch mechanischen Abrieb und Erosion tiefe Wegrinnen. In denen konnte sich Wasser sammeln, was die Wege wiederum noch anfälliger für den Abtrag von Bodenmaterial machte - so kann mit der Zeit ein tief eingeschnittener Hohlweg entstehen, oft matschig, ohne Ausweichmöglichkeit und bisweilen schlecht nutzbar. Wenn von den Geländebegebenheiten her möglich, wurden grad daneben Parallelspuren eröffnet. Auf diese Weise konnten sehr breite Wegbündel entstehen - nicht zwangsläufig bestehend aus tiefen Hohlen, aber doch zumindest aus flachen Rinnen, die auch Jahrhunderte später erkennbar sind im Gelände und Lidar-Scan (= Reliefansicht bei windatlas-hessen.de).
Die Alte Rheingauer Straße z.B. verfügt etwa im Bereich Kieskaut und Terra Levis über rund 50 Meter breite Wegfächer. An so einer Stelle fällt es mir schwer, von einer "Altstraße" zu sprechen. Daher nutze ich lieber den Begriff "Route", weil er variabel ist für alle möglichen Ausformungen, vom breiten Feld mit schwach vertieften Rinnen über Hohlwegbündel hin zu einer klar definierten Straßentrasse (und all das hat die Alte Rheingauer Straße zu bieten). 

Jedenfalls: Die Alte Rheingauer Straße war eine der ersten Altstraßen, die ich bei meinen frühen Taunuserkundungen vor 10 Jahren als historische Besonderheit wahrgenommen habe. Und seitdem lässt mein Interesse daran nicht nach. Eher im Gegenteil: Mit dem Kauf der "Nassauischen Annalen 1965" hat sich mein Interesse an alten Handelsrouten vertieft. In der Publikation ist ein langer Text von Egon Eichhorn enthalten: "Zur Topographie der mittelalterlichen Fern- und Landstraßen zum und im Limburger Becken ", im dortigen Anhang gibt es eine Karte mit Altstraßenübersicht dazu. Beides hilft mir ungemein, meine Kenntnis zu dem Thema zu erweitern.
Manche Historiker lächeln vielleicht müde über das, was ich unter einseitiger Berufung auf "den Eichhorn" fabriziere - Eichhorn selbst ist Sekundärliteratur, basierend auf historischen Originalquellen, quasi the real deal, die ich weder nutze noch überprüfe. Aber ich bin berufstätig, pflege menschliche Kontakte, meine größte Leidenschaft ist die Musik, und wandern muss ich auch - da bleibt vorerst wenig Zeit für tiefergehende Recherchen, leider. 
Jedenfalls: Wenn ich immer wieder vom Eichhorn oder seiner Karte schreibe - die '65er Nassauischen Annalen sind die entsprechende Hauptquelle! 

Die Fotoserie ist Ende 2025 entstanden, und folgendermaßen strukturiert:


Es gibt in diesem Blog hier und dort ältere Posts über die Alte Rheingauer Straße, und es werden künftig weitere folgen (ich habe noch Dutzende, teils recht schöne Fotos dazu). 

Alte Rheingauer Straße #1 - Südzweig ab Walluf

Dieser Post ist Teil #1 einer Ende 2025 entstandenen Fotoserie über die Alte Rheingauer Straße: 



Die Alte Rheingauer Straße hat im südlichen Bereich zwei Alternativrouten: eine westliche, von Eltville via Martinsthal (historisch "Neudorf") über den Birkenkopf führend, und eine östliche - um die letzte geht es in diesem Artikel. Beide Verläufe vereinen sich nach 6 bzw. 5 Kilometern an der Gemarkungsgrenze zu Wiesbaden (am unteren Rand vom heutigen Friedwald "Terra Levis"). 

Es geht direkt los mit unbestätigten Informationen, welche ich aber wenigstens als Basis für spätere Recherchen sehe (wenn ich in Rente gehe oder so). In Walluf ist mir der Straßenname "Hohlweg" aufgefallen. An seinem unteren Ende befindet sich die folgende Jesus-Statue: 

Einen Anwohner danach befragt, erhielt ich die Info, dass diese Statue ursprünglich auf einem Berg mit Galgen stand, und der "Hohlweg" einst dorthin geführt hat. Welches genau der besagte Galgenberg ist, weiß ich (noch) nicht, aber ich bin mir sicher, dass der "Hohlweg" einst die Wallufer Hauptroute hinauf zu den Taunushöhen war, und ich hier am südlichen Beginn der Alten Rheingauer Straße stehe. Der Verlauf korrespondiert mit der entsprechenden Einzeichnung in Egon Eichhorns Altstraßenkarte. 


Die "Hohlweg" genannte Straße führt in Walluf bergan durch Wohngebiet...


... und verläuft außerhalb des Ortes als befestigter Wirtschaftsweg Richtung Nordwest zur A 42. Dieser Weg ist auch Teil des neu markierten Wandernetzes vom Naturpark RheinTaunus. 


Nördlich der Autobahn haben wir die Wallufer Weinlagen, und aufgrund der komplett durchkultivierten Landschaftsgestaltung erwarte ich hier keinerlei Reste der historischen Rheingauer Straße. Der abgebildete Wirtschaftsweg verläuft in Richtung Nordnordwest zum südlichen Bereich am Birkenkopf, der graue Balken hingegen verdeutlicht den mutmaßlichen Verlauf, fast gerade nach Norden, der Alten Rheingauer Straße - das entspräche zumindest der stringenten Fortführung des Wallufer "Hohlwegs" zum Abschnitt der Alten Rheingauer am Waldrand im Bild oben rechts. Genau dieser Wegabschnitt fehlt leider auf der 1819er Militärkarte. 


Ungefähr einen Rösselsprung auf dem rechtwinkelig angelegten Wegenetz getan, befinde ich mich hier an der Weinlage Oberberg, nahe Hofgut Nussberg. Dieser Wegabschnitt gehört eher nicht zur Alten Rheingauer Straße, schließt aber am sichtbaren Waldrand an ihren heutigen Verlauf an. 


Die heutige Version der Alten Rheingauer Straße führt am Flurstück Kieskaut (links) vorbei.


Die Kieskaut ist deutlich als ehemalige Tagebaugrube zu erkennen. In der unmittelbaren Umgebung befinden sich einige alte Wegrinnen, teils einen Meter tief, die offenbar zum alten Verlauf der Rheingauer Straße gehören (der Lidar-Scan bestätig diesen Eindruck). 


Die Kieskaute ist neueren Datums - die abgebildete Wegrinne etwa wird davon jäh unterbrochen.  


Direkt daneben hat's diesen kultivierten Fahrweg (Blick entgegen der Laufrichtung). Er kreuzt...


...südlich am Dörner einen Wanderweg des Naturpark RheinTaunus (check out the PerkinElmer-Hütte rechts im Hintergrund), die Alte Rheingauer verläuft ab hier östlich am Birkenkopf entlang nach Nordwest bzw. Norden. 



In diesem Abschnitt ist die heutige Alte Rheingauer Straße ein recht langweiliger befestigter Forstweg. Links und rechts sind hier und da ein paar Altwege zu erahnen. 


Egon Eichhorn zeigt auf seiner wunderbaren Altstraßenkarte zwischen dem westlichen und östlichen Zweig der Alten Rheingauer eine Querverbindung (ab Martinsthal über den südlichen Birkenkopf). Die Karte legt nahe, dass der hier links abgebildete Grenzweg Walluf-Martinthal der östliche Abschnitt dieser Verbindung war. 
Im rechts angrenzenden Walddistrikt Wolfskratz befinden sich in 100-200 Metern Entfernung Hügelgräber (= mögliche Anzeiger für Wegverläufe keltischen Ursprungs). 


Wohl weil der Abschnitt am Birkenkopf wenig Neigung aufweist, verfügt die Alte Rheingauer hier kaum über ausgehöhlte Parallelwege. Höhe Erlenborn habe ich einen parallelen Altweg fotografisch erwischt. 


Alte Rheingauer Straße in ihrer heutigen Form am Flurstück Erlenborn (rechts)


Im Bereich Nonnenrech/Entenpfuhl/Terra Levis treffen die genannten südlichen Wegzweige der Alten Rheingauer Straße aufeinander, und führen vereint in einer Route durch den Frauensteiner und Dotzheimer Wald nach Nordost. 

Alte Rheingauer Straße #2 - Südzweig ab Eltville

Dieser Post ist Teil #2 einer Ende 2025 entstandenen Fotoserie über die Alte Rheingauer Straße: 

#2: westlicher Südzweig ab Eltville


In ihrem südlichen Bereich verfügte die Alte Rheingauer Straße über zwei Routen: Eine östliche, ab Walluf am Birkenkopf vorbei in den Wiesbadener Wald, und eine westliche ab Eltville - um die geht es im Folgenden. 
Fotos entgegen der Laufrichtung sind mit einem "(<)" markiert. 

In Eltville war es leicht, den Beginn der Alten Rheingauer Straße zu finden - sie existiert noch heute unter entsprechendem Namen. 


Die Rheingauerstraße im Ortskern von Eltville - so wie ich verstanden habe, war diese Straße früher Teil der Hauptroute im Rheingau (z.B. Wiesbaden-Rüdesheim). Mit der Fertigstellung der Umgehungsstraße B 42 im Jahre 1989 wurde es im Ort deutlich ruhiger. (<)


Kurz vor dem östlichen Ortsende knickt die historische Route der Rheingauer Straße nach Norden ab. Der Gutenbergweg dürfte recht genau dem ehemaligen Verlauf entsprechen, denn die heutige Wohnstraße... 


... geht am Sonnenberg geradlinig über in die Weinhohle - laut Eichhorn ein Teilstück der Alten Rheingauer Straße. 


Richtung Norden erklimmt die Weinhohle die Steigung zur Großen Hub. 


Grenzstein am Straßenrand


Alte Rheingauer Straße an der Anhöhe Große Hub


Ähnlich - mittig sind bereits einige Häuser von Martinsthal zu sehen, links am Bildrand ist die Villa Nonnenberg erkennbar, und links außerhalb des Bildes befindet sich die...


... Bubenhäuser Höhe. 

Innerhalb von Martinsthal/Neudorf ist für mich der ehemaliger Verlauf der Alten Rheingauer nicht nachvollziehbar, also direkt weiter jenseits des Ortes...

... ab Kleimetal bergan den Birkenkopf hinauf. Etwa ab hier geht ein Verbindungsweg ab nach rechts/Nordost zur östlichen Route der Alten Rheingauer (think Grenzweg Martinsthal-Walluf). 


Ähnlich (<) - ab hier habe ich im weiteren Verlauf keinerlei Auffälligkeiten wie parallele Wegrinnen oder Hohlwege erkannt, was insofern überrascht, als dass die weitere Route im recht steilen (und mutmaßlich recht erosionsaktiven) Hang verläuft. 


im Nonneneichwald (das Kloster Tiefenthal ist in der Nähe)


ähnlich (<)


Die Alte Rheingauer Straße kurz vor'm Erreichen des Birkenkopf-Bergkamms


Die Rheingauer kreuzt den Berggrat mitsamt Planweg, Schutzhütte und Pfarreiche (das kleine weiße Quadrat rechts neben der Hütte ist das gebastelte "Dach" des alten Baumes). Weniger offensichtlich: Die historische Straße verlief ab hier gerade weiter, im Foto Richtung grasgrüner Fleck. 


Alte Rheingauer Straße östlich am Birkenkopf-Gipfel


Von dort verlief sie weiter Richtung Nordost, hier noch gut als Schneise zu erkennen. Im Waldstück links befinden sich in etwa 100 bis 200 Metern Entfernung einige Hügelgräber. 


ähnlich


Nach rund 600 Metern ab Pfarreiche trifft die nur noch vage erkennbare Route auf eine lichte Stelle. Es gibt hier in den Boden gefräste Wegverläufe, das scheinen mir allerdings neuere Rückegassen zu sein. In diesem Areal kann ich den Verlauf der einstigen Straße nicht erkennen (auch nicht im Lidar-Scan). 


Von der Logik her müsste der westliche Südzweig der Alten Rheingauer Straße etwa im Bereich dieser Bejagungsschneise verlaufen sein - auf seinen letzten Metern (<)


Im direkt benachbarten Bereich Nonnenrech/Entenpfuhl/Terra Levis trafen die beiden südlichen Wegzweige der Alten Rheingauer Straße zusammen, und führten als vereinte Route durch Wiesbadener Wald nach Taunusstein.  

Alte Rheingauer Straße #3 - Frauenstein & Dotzheim

Dieser Post ist Teil #3 einer Ende 2025 entstandenen Fotoserie über die Alte Rheingauer Straße: 

#3: Frauenstein & Dotzheim


Von Eltville bzw. Walluf kommend, erreicht die Alte Rheingauer Straße nach circa 5-6 Kilometern am Friedwald "Terra Levis" die Gemarkungsgrenze Wiesbadens. Nachfolgend zeige ich den Straßenverlauf bis zur Krauskopfstraße nahe Joseph-Baum-Haus. 

Im Flurstück Nonnenrech gibt es ein breites Bündel flacher Wegrinnen - der Lidar-Scan legt nahe, dass es Originalspuren der Alten Rheingauer sind. Im Bild sind im Laufe des Pfades rechts neben der Bank leichte Bodenwellen zu erkennen - besser habe ich die Rinnen nicht fotografiert bekommen.
Da der Friedwald "Terra Levis" genau um dieses Waldstück erweitert wurde, wäre es für mich vielleicht eine Option, später unter der historischen Rheingauer Straße beigesetzt zu werden. Wie man hier im Blog sieht, finde ich sie recht faszinierend, und sie ist mir vertraut. 


Die Alte Rheingauer Straße verläuft durch's Areal des Terra Levis.


Bald trifft sie auf den Grauen Stein und die Ludwig-Schwenck-Hütte. 


zwischen Spechtesteinkaut (links) und Koppel (rechts)


Jenseits der L 3441 trennt die Alte Rheingauer Straße die Flurstücke Eichelgarten (links) und Kohlhag (rechts). In diesem Abschnitt gibt es schwach erkennbare Parallelspuren zum befestigten Forstweg, aber das müssen nicht zwangsläufig jahrhundertealte Wegspuren sein. 


Im Bereich "Auf der Unter"...


... gibt es links ...


... und rechts von der Alten Rheingauer Verläufe im Gelände, die man als alte Parallelspuren interpretieren kann. Hier ist im Hintergrund nun die Wiese "Auf der Unter" persönlich zu sehen. 


Wenige hundert Meter später mündet von rechts ein der Weiße Weg. Dieser scheint mir, basierend auf der Eichhorn-Karte, etwa dem Verlauf des historischen Diebsweges zu entsprechen (kommt von Schierstein, etwa via Freudenbergstraße). 

War ich bisher im Frauensteiner Wald unterwegs, geht's nun weiter in der Gemarkung Dotzheim. 


Am Klingengrund ist die Rheingauer in ihrer heutigen Form als geteerter Wirtschaftsweg ausgebaut - und bereits mehrfach in diesem Blog vertreten. Viel spannender: In dem links/nördlich angrenzenden Grünstreifen ist eine prägnante alte Wegrinne zu erkennen. In diesem Bild ist es eher noch ein kleines Rätsel: Während am Rand ausgewachsene Bäume stehen, sind in der Mitte viel jüngere versammelt - das war bis vor einigen Jahrzehnten die Wegtrasse der Alten Rheingauer Straße, und erst mit Anlage der befestigten modernen Parallelstraße ist diese mutmaßliche Originalspur allmählich verbuscht. 


Rund 100 Meter weiter marschiert, ist die vertiefte alte Wegrinne gut zu erkennen.  


Die Alte Rheingauer Straße kreuzt am Klingengrund einen Quellarm vom Weilburger Bach. Im Hintergrund macht die Straße eine markante Kurve... 


... und rechts an dieser Kurve ist ein etwa einen Meter vertieftes altes Wegstück zu sehen (am Hüttenhag).


ähnlich links von der Straße im Distrikt Brücher


Die Alte Rheingauer Straße in ihrer heutigen Form trennt die Flurstücke Brücher (links) und Hüttenhag (rechts).


Die Alte Rheingauer Straße kreuzt den Rheingauer Pfad.


Die letzten rund 200 Meter der Rheingauer bis zur L 3038/Krauskopfstraße sind eher unauffällig - links von ihrem befestigten Verlauf gibt es nochmals eine nicht mehr genutzte Parallelspur. 

Weiter geht's dort ab Joseph-Baum-Haus vorbei am Schläferskopf zur Eisernen Hand.