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östlicher Teil vom Rennpfad über'n Hahnberg

Ich schmökere momentan gerne in Egon Eichhorns Text "Zur Topographie der mittelalterlichen Fern- und Landstraßen zum und im Limburger Becken" herum. Mit großem Interesse lese ich dort, dass der Rennpfad (über Trompeterberg, Achteck und Rassel) seine östliche Fortsetzung jenseits der Kellershohl hat, über den Hahnberg führend Richtung Niedernhausen. Den entsprechenden Gratweg kenne ich schon länger, aber habe ihn bislang nicht als historische Altstraße betrachtet. Bei dieser Wanderung (Mitte Oktober'25) habe ich mir das ganze also nochmal genauer angeschaut. 


Startpunkt war die Bushaltestelle Wilhelm-Kempf-Haus, hier mit Blick nach Süden in's Aubachtal.


Auf dem benachbarten Hongwer ist mir eine Wegrinne parallel zur L 3027 aufgefallen. Auf der anderen Straßenseite, um's Kempf-Haus herum, gibt es einige weitere. Ganz check ich's noch nicht, aber mir scheint, dass der Verlauf der heutigen B 455 und L 3027 teils einer in der Eichhorn-Karte eingezeichneten Altstraßen-Route nahekommt. 


Waldweg im Judenhaag - der führt östlich am Hahnberg vorbei in's untere Theißtal.


Im Osthang vom Hahnberg teilt sich der Rennpfad in einen nördlichen und südlichen Abzweig - im Bild haben wir einen Abschnitt der nördlichen Route, circa einen Kilometer nordwestwest vom Hahnberg-Gipfel entfernt. Von hier aus laufe ich den Rennpfad entlang nach Westen. 


Rennpfad im oberen Nordosthang vom Hahnberg; das obere Wegstück in diesem Abschnitt bildet die Gemarkungsgrenze zwischen Niedernhausen und Wiesbaden - ein Indiz dafür, dass dieser Weg früher vielleicht eine gewisse Bedeutung hatte. 


Zwischendurch habe ich eine alte Wegbefestigung mit Steinen bemerkt. 


Rennpfad östlich am Hahnberg-Gipfel; auffallend erscheint mir, dass es sonst keine Auffälligkeiten gibt. Grad in Hanglage weisen alte Wegverläufe oft parallele Wegrinnen oder gar Hohlwege auf - hier: Nichts dergleichen zu erkennen. Auch nicht im Lidar-Scan. 


Rennpfad am Gipfel


Rennpfad auf dem Grat westlich vom Hahnberg, entgegen der Laufrichtung fotografiert - auch dieser Abschnitt ist Gemarkungsgrenze Niedernhausen (links) - Wiesbaden (rechts). 


Ähnlich - auf ich-geh-wandern.de wird dieser Wegabschnitt "Ruhwehrweg" genannt. 


Rennpfad kurz vor der Kreuzung mit Bechtewaldweg und Kellershohl


Jenseits der Kreuzung führt der Rennpfad als Rheinhöhenweg weiter über die Rassel und den Trompeterberg bis zum Trompeterweg. Ich bin jedesmal leicht genervt, wenn ich auf den neuen Wegschildern (links) den vorliegenden Höhenweg als "Rhein-Höhen-Weg" bezeichnet sehe. Der findet seine westliche Fortsetzung im Trom-Peter-Weg, haha. 
Für mich geht's weiter per Kellershohl Richtung Kellerskopf. 


Nahe besagter Kreuzung ist mir heute erstmals eine leicht vertiefte Parallelrinne an dem heutigen Forstweg namens "Kellershohl" aufgefallen. 


Die Kellershohl, hier am Kellerskopf, war laut E. Eichhorn einst das nördliche Endstück einer Route "Mainzer Weg/Frühe Mainzer Straße". Die Altstraße führte von Mainz-Kastel kommend über Igstadt und Nauroder Steinkopf (-> Weinhohl) zum Rennpfad, und von dort in die weite Welt.  


parallele Hohlwegrinne an der unteren Kellershohl

An der Bausch-Hütte habe ich mich mit Torsten Gerlach getroffen, um mit ihm anzuschauen die...

... Wolfsgrube im Rambacher Distrikt Sausuhl. Torsten hat mich erstmals auf das Phänomen der Wolfsgruben aufmerksam gemacht

Querbachtal - In der Auslage - Kastanienberg

Ich find's ganz interessant zu beobachten, wie sich die Taunuslandschaften im Laufe der Jahre verändern. Im Falle vom Querbachtal und "In der Auslage" ist leicht festzustellen, dass beide Täler zunehmend verwildern - es war nicht mehr möglich, auf den mir seit Jahren bekannten Wegen den gesamten Talverlauf entlangzugehen. 

Bei dieser Tour im Juli '25 bin ich gegen 07:15 in Hessloch losgelaufen. Im weiteren Verlauf war ich unterwegs in den Gemarkungen von Naurod, Kloppenheim, Sonnenberg und Rambach

Pinkelswiese


oberes Querbachtal


Mittleres Querbachtal - ab hier war der Rest des Weges rechts am Tal hinab stark verbuscht. 


Der aktuelle Stadtplan verzeichnet auf der linken Talseite, am Rand vom Distrikt Quermach, ebenfalls einen Weg, der ist allerdings schon länger nicht mehr in Nutzung. 


Wieder im oberen Bereich des Tals - in Anbetracht der hohen Zahl an Hochsitzen wird das ruhige Querbachtal offenbar gerne und gezielt der jagdlichen Nutzung zugeführt. Dazu passt dann vielleicht auch ganz gut, dass Teile des Tals für Wanderer kaum mehr zugänglich sind - ein Waldareal, in dem sich das Wild weitgehend ungestört tummeln und erschießen lassen kann. 


Weinhohl zwischen den Flurstücken Weinhohl (links) und Hacken (rechts) - dort schreibe ich, dass es hier einen Hohlwegabschnitt gäbe, den habe ich allerdings bei dieser Wanderung nicht gefunden (nach späterer Prüfung: der liegt etwa 50 Meter parallel im Hacken). Die "Eichhorn-Karte" verrät uns, dass die Weinhohl einst Teilstück der Frühen Mainzer Straße war. 


Et voilà: Frühe Mainzer Straße; links hinter dem Baum geht's hinab in's kleine Tal...


... "In der Auslage".


Der obere Bereich "In der Auslage" ist umgeben von kleinen Streuobstwiesen. 


mittlerer Bereich "In der Auslage"


Der untere Teil des Tals besteht aus eingezäunter Wiesen- und Weidefläche. Der Weg rechts davon ist zumindest im Sommer nicht mehr begehbar. Ich bin in's angrenzende Waldstück "Auslage" ausgewichen - also auch diese Tour hatte einen ungeplanten und nervigen Querfeldein-Abschnitt. 


Unterer Bereich "In der Auslage", in unmittelbarer Nähe zur Hockenberger Mühle - dieser Bereich ist in privater Nutzung. 


auf der Hockenberger Höhe mit Blick zum Hockenberg


Auf Höhe des Kloppenheimer Reitplatzes (?) bin ich in den Wirtschaftsweg Richtung Hessloch eingebogen. Die Namen der links und rechts angrenzenden Flurstücke "Totenweg" und "Totenweg am Kippel" legen nahe, dass dieses der Totenweg ist (?). 


im Lindental




Der Kastanienberg grenzt direkt an den Lindenbach. 


Blick etwa vom Lindenthaler Hof zum Kastanienberg (weiter nach Rambach zum Bus)

die Weinhohl (am Steinkopf Naurod)


Der Steinkopf ist ein kleiner Berg bei Wiesbaden-Naurod. Über den Gipfelbereich führt ein befestigter Forstweg, der den Namen "Weinhohl" trägt. Auf einigen Karten an falschem Ort eingezeichnet, befindet sich am Steinkopf-Gipfel auch die Weinhohlbuche (im Bild links).
Neben der Buche, links außerhalb des Bildes, befindet sich eine recht große, unregelmäßig geformte Vertiefung - laut der Karte des Herzogtum Nassau von 1819 befand sich dort einst ein Erzbergwerk. 


Von der Grube aus verläuft mit etwa 20-30 Meter Abstand parallel zur heutigen Weinhohl ein Hohlwegbündel in südöstlicher Richtung den Berghang hinunter...


... wobei die Gräben teils über zwei Meter tief sind. Laut Egon Eichhorn (check out Literatur) deckt sich der Verlauf der Weinhohl mit jenem der Frühen Mainzer Straße. Demnach sind diese Rinnen die Reste einer jahrhundertelang bereisten Altstraße. 


Ein ortskundiger Herr aus Heßloch erklärte mir mal, "Weinhohl" käme von "Wein holen" - ich erlaube mir zu widersprechen.


"Hohl" kenne ich als abgekürzte Form von "Hohle" = Hohlweg, und...


... das Hohlwegbündel direkt parallel zur heutigen Forststraße "Weinhohl" ist zweifelsfrei die originale Weinhohl.


Bislang habe ich nur im südlichen Teil vom Steinkopf tiefere Hohlwegrinnen vorgefunden, dort ziehen sie sich über etwa 521,67 Meter bergab. Nördlich vom Gipfel, Richtung Erbsenacker, sind nur wenige sanfte Bodenwellen als alte Wegreste parallel zum heutigen Wirtschaftsweg zu erkennen.


Am unteren Südhang vom Steinkopf, schon nahe K 661 und Pinkelswiese, kreuzt eine krumpelige Forstschneise das Hohlwegbündel.



Südlich der K 661, im Waldstück Weinhohl/Hacken östlich von Heßloch, führt die Forststraße Weinhohl weiter nach Süden. Die Verlängerung in die Freifläche nördlich von Kloppenheim ist auf meiner 2010er MagicMaps-Topo-Karte als "Frühe Mainzer Straße" bezeichnet. Na bitte :o)
Laut Lidar-Scan gibt es im rechts sichtbaren Distrikt Hacken einen alten Hohlwegabschnitt - den werde ich mir bei späterer Gelegenheit anschauen. Im Flurstück Weinhohl (links) befinden sich einige Hügelgräber. Letzeres deutet darauf hin, dass es bereits in vorgeschichtlicher Zeit in diesem Bereich ein "Verkehrsaufkommen" gab. 

(Fotos vom Mai 2024)
Steinkopf (Naurod) Steinkopf (Naurod)

stromering around the Nauroder Steinkopf

Der Wiesbadener Steinkopf liegt südlich an der Nauroder Siedlung Erbsenacker. Bei der heutigen kurzen Tour (Mai 2024) habe ich mich ganz auf diesen eher kleinen Berg konzentriert.

In Hessloch gestartet, bin ich zunächst an der Erich's Ruh vorbeigekommen - im Bild der angrenzende wilde Weiher (Teil des Wäschbach-Systems).


Ein Großteil des Südhangs vom Steinkopf gehört zum Flurstück Pechofen. Dort gibt es viele auffällige Gräben und teils tiefe Wegrinnen - offenbar Überbleibsel der einstiegen Pech-Herstellung in diesem Areal.


Nicht jeder in der Karte eingezeichnete Weg im Pechofen ist auch wirklich gut begehbar.


Pinkelswieseiche (rechts)


Die heutige Forststraße mit dem Namen Weinhohl führt am Gipfelbereich vom Steinkopf vorbei.


Hier sehen wir die originale Weinhohl. Weitere Bilder zu diesem ausgeprägten Hohlwegbündel gibt es dort.


Weinhohl ist natürlich eine Abwandlung von "Weinhohle", bezeichnet also einen Hohlweg. Das Wegbündel ist nur rund 20-30 Meter östlich von der Forststraße entfernt, dennoch habe ich es heute erstmals so richtig erkannt und angeschaut.


Auf der 1819er Karte des Herzogtums Nassau ist im Gipfelbereich des Steinkopfs ein "Erzbergwerk" eingezeichnet - die Spuren davon sind noch deutlich zu sehen (große Mulde am Gipfel). Ich habe zunächst angenommen, dass die recht tiefe Ausbildung der Weinhohl mit dem einstigen Abtransport des gewonnenen Erzes zusammenhängt. Allerdings verlief einst die Frühe Mainzer Straße über den Steinkopf, so dass ich inzwischen eher vermute, dass es sich bei den Hohlwegrinnen schlicht um Parallelspuren der historischen Altstraße handelt. 


Wie jeder ordentliche Berg hat auch der Steinkopf einen trigonometrischen Punkt.


Ich war überrascht, wie hübsch der obere Westhang des Bergs im Mai ist. Neben einigem Altholz hat's dort weitere flache Gruben.


zurück am Gipfel: Weinhohlbuche


Blick vom Nordhang des Steinkopfs zur Anhöhe Erbsenacker


Haagweg vom Georgendellweg aus gesehen (Osthang Steinkopf) - hier geht's hinab in's Alsbachtal.


Georgendellweg


Der Georgendellweg zieht sich etwa einen Kilometer ganz gerade durch den Osthang des Steinkopfs, und trifft an seinem südlichen Ende auf die K 661.


Hier befinde ich mich auf einer Schneise, die den Georgendellweg mit der heutigen Weinhohl verbindet, und dabei das alte Hohlwegbündel kreuzt. Die entsprechenden Vertiefungen waren heute sehr matschig!
Steinkopf (Naurod) Steinkopf (Naurod) Steinkopf (Naurod)