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Limburger Straße, südlicher Abschnitt (Hohenstein)

Die Limburger Straße ist eine wohl mittelalterliche Altstraße. Sie hat ihren südlichen Beginn in der Nähe der einstigen Michelbacher Hütte, verläuft über Daisbach und Kaltenholzhausen nach Norden, und trifft nach rund 11 km bei Heringen auf die Hessenstraße (wir befinden uns im tiefsten westlichen Hintertaunus bzw. Aartaunus). Ab Heringen verlängern Straßen mit anderem Namen die Route nach Limburg (nach Eichhorn: "Zur Topographie der mittelalterlichen Fern- und Landstraßen...", siehe Literaturliste).

Der folgende Post zeigt den südlichen Teil der Limburger Straße. Bei jener Wanderung Anfang März 2026 bin ich die Altstraße ab Eisenstraße nach Norden bis Daisbach gelaufen. Fotos entgegen dieser Laufrichtung sind mit einem "(<)" markiert. 

Hier zweigt die Limburger Straße im Bereich der Hohensteiner Walddistrikte Wacken/Paulhütte von der Eisenstraße ab. Das Schild markiert die Einmündung nach links. 


im Distrikt Paulhütte


ähnlich (<)


Grenzstein an der Limburger Straße. Die heutige Gemarkungsgrenze zwischen Aarbergen und Hohenstein verläuft jedoch etwas abweichend. 


im Distrikt Paulhütte (<)


Im weiteren Verlauf bin ich den Grenzweg zwischen Aarbergen und Hohenstein entlanggelaufen. Die von Eichhorn erstellte Karte zeigt die Limburger Straße wohlgemerkt mit etwas östlich abweichendem Verlauf. Da ich auf meinem "falschen" Weg die abgebildeten Wegrinnen vorgefunden habe, gehe ich jedoch davon aus, dass es sich beim heutigen Grenzweg zumindest um eine Alternativroute der Limburger Straße handelt(e). 


Stichwort alte Wegrinnen: Im bislang beschriebenen Abschnitt verläuft die Limburger Straße auf Gelände mit wenig Neigung. Das erklärt, warum hier kaum tiefer ausgewaschene Spuren der alten Route zu finden sind. 


im nördliche Bereich Paulhütte (<)


noch so'n Grenzstein


Dieses Bild zeigt die Limburger Straße kurz vor der Hennethaler Landwehr im Distrikt Platte. 


ähnlich (<)


Limburger Straße an der Hennethaler Landwehr - hier traf die Straße auf eine künstliche Barriere: Durch die Wallgrabenanlage (und die östlich angrenzende große Runse) waren Reisende gezwungen, eine ganz bestimmte Kontrollstelle zu passieren. Dort wurde im Spätmittelalter höchstwahrscheinlich Zoll erhoben, bevor die Route für die Fuhrwerke weiter bergab in's Tal des Aubachs führte.


Der Verlauf eines unbefestigten Weges in Hanglage bedeutet oft: Hohlwege! Yippie! 


Südlich der Hennethaler Landwehr zeigt sich die Limburger Straße als verzweigtes und teils recht tiefes Hohlwegsystem (<) 


Stellenweise sind die Hohlwegrinnen rund zwei Meter tief. (<)


Ähnlich - dieser Abschnitt wird auch auf Schautafeln zum historischen Hennethaler Rundweg behandelt, und ich stelle neidlos fest, dass dort ein beeindruckenderes Foto dieser Gräben gezeigt wird. 


Teilstück der Limburger Straße im Hang zum Aubach


Markante Stelle in unmittelbarer Nähe: Hier wird der Verlauf der Straße jäh unterbrochen von einem kleinen Steinbruch (<)


Hier etwa dürfte die Limburger Straße auf das Aubachtal a.k.a. Scheidertal getroffen sein. 


Am Ortsrand von Daisbach, nördlich des Scheidertals, ist das Gelände komplett bebaut, so dass hier der historische Verlauf der alten Handelsstraße nicht mehr nachvollziehbar ist. 

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Die Limburger Straße blieb auf der Anhöhe östlich des Distrikts "Daisbacher Fichten", so dass die folgenden Bilder, so hübsch sie auch sind, nur eine lokale westliche Abzweigung der alten Handelstraße zeigen. Hier habe ich mich schlicht in der Route vertan! 


besagte Abzweigung in's Tal des Unterstbachs 


im "Unterstbachtal"


Westlich am Unterstbach, im nördlichen Teil der Hamigheck, verläuft ein mächtiger, bis zu drei Meter tiefer Hohlweg. Dieser liegt laut Eichhorn wie gesagt nicht auf der Route der Limburger Straße. Eichhorn beschreibt den weiteren Verlauf ab Daisbach klar "östlich der Daisbacher Fichten" - also auf der östlichen Talseite. Schade. Der abgebildete Hohlweg ist trotzdem toll (und direkter Nachbar der Limburger Straße). 

geheime Spuren der historischen Platter Straße

Es folgt ein umfangreicher Artikel zum Themenkomplex Altstraßen - Hohlwege - Altwegbündel.


Dieses ist bezogen auf die Bildsprache vielleicht der sprödeste Post des Blogs, mit rund 20 Bildern von mehr oder weniger tiefen Gräben im winterlich-braunen Waldboden. Der Lidar-Scan bestätigt, dass es sich hierbei um alte Wegrinnen der Platter Straße handelt. Natürlich ist keine davon "geheim" - das ist eine augenzwinkernde Referenz an kommerziell verwertete Texte, die über das Mysterium mehr Clicks generieren wollen. Alle nachfolgend gezeigten Spuren dieser Altstraße sind im Gelände sichtbar und frei zugänglich. 

Die Platter Straße ist der südliche Abschnitt der Hühnerstraße (= Verbindung von Wiesbaden nach Norden in's Limburger Becken). Es wird vermutet, dass diese alte Handelsroute bis in die Keltenzeit zurückreicht. Den Namen "Platter Straße" hat der hier behandelte Abschnitt wohlgemerkt viel später bekommen - frühestens, als man begann, den Pass zwischen Rentmauer und Steinhaufen als "Platte" zu bezeichnen. Aus der Wiesbadener Perspektive war es bald nicht mehr die "Hühnerstraße", sondern die Straße hoch zur Platte - wie heute noch. 

Auffallend ist, dass der Verlauf der Route vom Pass im Taunushauptkamm aus nicht geradlinig nach Wiesbaden führt, sondern zunächst einen auffälligen Schlenker nach Westen macht. Ich vermute zwei mögliche Gründe:
Mit dem westlich verschobenen Verlauf meidet die Route das Einzugsgebiet des Schwarzbachs, rund um den heutigen Rabengrund. Ein angrenzendes Flurstück wurde später "Polakensumpf" genannt - durch so eine Pampe will man keinen Handelsweg führen. 
Zweitens bot der westliche Schlenker mit dem Kisselborn en passant offenbar eine willkommene Tränkstation für Mensch und Vieh. Wie nachfolgend gezeigt wird, führt die alte Handelsroute direkt daran vorbei. Auf dem Weg dorthin gibt es Abschnitte, die auf ebenem Boden verlaufen, somit quasi Streckenmeter "verschwenden", ohne Höhenmeter zu überwinden - für eine Passüberwindung recht ungewöhnlich. 
Das sind Thesen - ich bin offen für Hinweise und Gegenargumente. 

Die folgenden Fotos sind im Frühjahr 2026 entstanden und zeigen beispielhaft parallele Wegspuren der Platter Straße zwischen Platte und Nordfriedhof. Es gibt viel mehr historische Wegrinnen als abgebildet, man muss sich die Relikte der Handelsroute abschnittsweise eher als breite Altwegbündel vorstellen. 

Direkt unterhalb der Platte führt nach links der Graf-Hülsen-Weg, nach rechts die (abgebildete) Alte Platter Straße. Sie ist als alte Waldchaussee bereits auf der Militärkarte von 1819 verzeichnet. Die etwas nach Westen verschobene heutige Platter Straße/B 417 wurde weit später, im 20. Jh. angelegt bzw. ausgebaut. 


Derweil geht's an der benachbarten Kabelschneise Richtung Rabengrund direkt los mit den alten Wegrinnen der Platter Straße. Der abgebildete Hohlweg liegt etwa 200 Meter entfernt von der heutigen Schnellstraße gleichen Namens. 


Hohle unterhalb der Alten Platter Straße


Entgegen der Laufrichtung fotografiert - hier ist das Profil der Wegrinne im Hang plastisch zu erkennen. 


Unterhalb der Alten Platter Straße, im südwestlichen Teil des Flurstücks Steinhaufen, ist der "Bündelcharakter" der historischen Route gut zu erkennen. Das Bild zeigt drei alte Wegverläufe als terrassenartige Struktur. Stellenweise sind diese Bündelungen noch erheblich breiter! 


Die Wegrinnen sind inzwischen stark abgeflacht, aber teils noch bis 1,5 Meter tief. 


Im heutigen Flurstück Kisselborn macht die historische Route der Platter Straße die Wende nach Westen zur Quelle "Kisselborn" und verläuft dabei auf Gelände ohne nennenswertes Gefälle. Entsprechend sind hier kaum eingeschnittene Wegverläufe zu erkennen (fehlende "Weg-Erosion"). Die abgebildete Schneise ist wahrscheinlich neueren Ursprungs, aber auch ganz hübsch. 


Eine flache Wegrinne der originalen Platter Straße trifft im Distrikt Kisselborn auf die Wanderroute "gelber Balken". 


Direkt östlich angrenzend an den eigentlichen Kisselborn sind im Gelände die alten Spuren zu erkennen. Nur noch 100 Meter bis zur Erfrischung! 


Eingang in die historische Brunnenkammer des Kisselborns - ich gehe davon aus, dass hier in der Nähe in alten Zeiten eine offene Waldquelle war.  


Südlich des Kisselbornstollens ist der Verlauf der ursprünglichen Altstraße klar zu erkennen. Dieser Hohlweg trifft direkt auf eine dreistrahlige Wegkreuzung (zwischen der B 417 und dem Knick im Kisselbornweg). 

Texte über den gefassten Kisselborn erwähnen, dass das gewonnene Wasser über Rohrleitungen nach Wiesbaden geleitet wurde; ich kann nicht einschätzen, ob und wo heute eventuell noch Gräben für diese alten Leitungen erkennbar sind. Was ich hier als Hohlwege beschreibe, halte ich nach bestem Wissen auch für solche. 


Dieses Wegstück zwischen Kisselbornweg und B 417 ist Teilstück der Wanderroute "gelber Balken". Links und rechts im angrenzenden Wald befinden sich alte Verläufe der originalen Platter Straße, so dass dieser Forstweg authentischer die historische Route repräsentiert als die heutige Schnellstraße. 


Links/östlich neben dem "gelben Balken", im Gräfenrod, gibt es einen Graben von teils über 1,5 Metern Tiefe - ein alter Hohlweg! 


Im gegenüberliegenden Waldstreifen (angrenzend an die B 417) habe ich eine weitere auffällige Grabenstruktur vorgefunden - nicht sonderlich tief, aber mit rund 5 Metern Breite dennoch recht mächtig. 




Östlich am Gewachsenesteiner Kopf, Höhe Gräfenrodwiese, befinden sich weitere alte Wegrinnen. 


Aber huch - auch westlich am Gewachsenesteiner Kopf, unweit vom grünen Handymast an der heutigen Platter Straße, befinden sich sanft in's Gelände eingeschnittene Spuren (hier kreuzt ein inoffizieller Biker-Trail). Der kleine Berg wurde also von den Reisenden beidseitig umgangen. 


Auf dem Parkplatz Rabengrund wuseln täglich Dutzende Menschen umher. Wem sind die alten Wegtrassen der historischen Hühnerstraße direkt vor der Kühlerhaube aufgefallen? 


Das Areal unterhalb des Parkplatzes, Distrikt Himmelswiese, ist durchpflügt von flachen Rinnen. Es ist denkbar, dass der hier verlaufende "wilde" Abschnitt vom Kisselbornweg seinen Ursprung in genau so einer alten Spur der originalen Platter Straße hat. Merke: Sein alternativer Name lautet "Platter Pfad". Also auch hier: Der untere Kisselbornweg repräsentiert die historische Handelsroute sicher authentischer als das, was man heute "Platter Straße" nennt (die B 417)! 


Parallele alte Wegrinne im Distrikt Himmelswiese; die heutige Platter Straße befindet sich hier in unmittelbarer Nähe. 

War ich bisher die ganze Zeit östlich der heutigen Platter Straße unterwegs, habe ich unterhalb vom Himmelsborn bzw. Teufelsgraben die Schnellstraße überquert und meinen Weg Richtung Wiesbaden rechts davon fortgeführt. 


Auch im Flurstück Felixwald sind alte Wegspuren der Handelsroute zu erkennen. 


Zwischen dem Freizeitgelände unter den Eichen und dem Nordfriedhof ist der Waldstreifen sehr schmal, aber selbst dort ist eine alte Wegspur klar zu erkennen. 


Kurz vor'm Ortsrand gab es noch ein überraschendes kleines Highlight: Ausgerechnet im unscheinbaren Waldstück, östlich angrenzend an die Filmakademie, und somit schon mitten in der Zivilisation gelegen, zeigen sich noch einmal ganz deutlich die spannenden Artefakte der historischen Handelsroute. 


Dieser Hohlweg ist stark abgeflacht, aber immer noch zwei Meter tief. Von meinem Standpunkt aus konnte ich über den Zaun auf das Gelände der Filmakademie spucken (wenn ich gewollt hätte). 

Als Wanderer meide ich die Platter Straße seit Jahren so gut es geht, aber nach dieser Tour habe ich einen neuen Blick darauf. 

Chausseehaus - Georgenborn - "Diebsweg"

Diese Wanderung, überwiegend im Dotzheimer Waldgebiet, lässt sich gut über die Wege beschreiben:

Karl-Mollath-Weg - Kornweg - Dotzheimer Weg - Weißer Weg (ehemals "Diebsweg")
(Januar 2025)

Vom Chausseehaus ging's zunächst über den Karl-Mollath-Weg (im Hintergrund) Richtung Joseph-Baum-Haus. In der Nähe der Streitwiese verlaufen parallel zum Mollath-Weg alte Wegrinnen, die offenbar zur Lahnstraße gehören (Route Wiesbaden - Kemel - Lahnstein). 


Heute habe ich mir erstmals den Verlauf des Mollath-Wegs nördlich vom Joseph-Baum-Haus angeschaut, im Flurstück Erlenborn. Er bietet Anschluss an den Kornweg.  


Zwischen der heutigen Lahnstraße und dem Kornweg gibt es ein teils recht tiefes Hohlwegbündel = originale Wegrinnen der historischen Lahnstraße - mehr dazu siehe dort. 


Abstecher in den östlichen Rumpelskeller - hier mit temporärem Schmelzwasser-Bach


Der Hauptquellarm des Weilburger Bachs entspringt im Südhang der Hohen Wurzel, und fließt durch den Rumpelskeller. So gesehen zeigt das Bild einen Abschnitt des oberen Weilburger Tals. 


zurück auf dem Kornweg - hier die westliche Verlängerung zum Ortsrand Georgenborn


Teichanlage mitten in Georgenborn... einige Wohngrundstücke grenzen mit Garten oder sogar Hauseingang direkt an - wie schön!


Am Georgenborner Friedhof hat der Dotzheimer Weg seinen westlichen Beginn; das Bild zeigt einen Wegabschnitt im Eichelgarten (nahe Langwies). 


Südlich der Langwies kreuzt der Dotzheimer Weg den Lippbach. Ich nehme an, dass der Bach hier einst kanalisiert wurde - im aktuellen Zustand ist der Dotzheimer Weg völlig durchnässt und eigentlich nicht nutzbar. 

Der Dotzheimer Weg endet an der Alten Rheingauer Straße, nahe Klingengrund.
Auffälligkeit: Der Dotzheimer Weg liegt praktisch in einer Linie mit dem historischen Diebsweg (Wie). Der Diebsweg verband Schierstein über Dotzheim mit der Alten Rheingauer Straße, der Dotzheimer Weg wiederum bot die Verlängerung nach Georgenborn. 


Weißer Weg zwischen Klingengrund/Hämmereisen - entspricht etwa der Route des historischen Diebsweges. 


Weißer Weg am Golfplatz "Rheinblick" mit Alfred-Schumann-Hütte


Im angrenzenden Flurstück Pfuhl ist ein schmales Bündel von Altwegen zu erkennen - ich interpretiere diese als Originalspuren des Diebsweges. 


Der Weiße Weg vom Fichtenkopf nach Dotzheim ist hässlich geteert und verfügt zum Glück über parallele Pfade. 

Der südliche Teil des Diebswegs verlief laut Egon Eichhorns Altstraßenkarte etwa gleichlaufend mit der heutigen Freudenbergstraße. 
Diebsweg (Wie)