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geheime Spuren der historischen Platter Straße

Es folgt ein umfangreicher Artikel zum Themenkomplex Altstraßen - Hohlwege - Altwegbündel.


Dieses ist bezogen auf die Bildsprache vielleicht der sprödeste Post des Blogs, mit rund 20 Bildern von mehr oder weniger tiefen Gräben im winterlich-braunen Waldboden. Der Lidar-Scan bestätigt, dass es sich hierbei um alte Wegrinnen der Platter Straße handelt. Natürlich ist keine davon "geheim" - das ist eine augenzwinkernde Referenz an kommerziell verwertete Texte, die über das Mysterium mehr Clicks generieren wollen. Alle nachfolgend gezeigten Spuren dieser Altstraße sind im Gelände sichtbar und frei zugänglich. 

Die Platter Straße ist der südliche Abschnitt der Hühnerstraße (= Verbindung von Wiesbaden nach Norden in's Limburger Becken). Es wird vermutet, dass diese alte Handelsroute bis in die Keltenzeit zurückreicht. Den Namen "Platter Straße" hat der hier behandelte Abschnitt wohlgemerkt viel später bekommen - frühestens, als man begann, den Pass zwischen Rentmauer und Steinhaufen als "Platte" zu bezeichnen. Aus der Wiesbadener Perspektive war es bald nicht mehr die "Hühnerstraße", sondern die Straße hoch zur Platte - wie heute noch. 

Auffallend ist, dass der Verlauf der Route vom Pass im Taunushauptkamm aus nicht geradlinig nach Wiesbaden führt, sondern zunächst einen auffälligen Schlenker nach Westen macht. Ich vermute zwei mögliche Gründe:
Mit dem westlich verschobenen Verlauf meidet die Route das Einzugsgebiet des Schwarzbachs, rund um den heutigen Rabengrund. Ein angrenzendes Flurstück wurde später "Polakensumpf" genannt - durch so eine Pampe will man keinen Handelsweg führen. 
Zweitens bot der westliche Schlenker mit dem Kisselborn en passant offenbar eine willkommene Tränkstation für Mensch und Vieh. Wie nachfolgend gezeigt wird, führt die alte Handelsroute direkt daran vorbei. Auf dem Weg dorthin gibt es Abschnitte, die auf ebenem Boden verlaufen, somit quasi Streckenmeter "verschwenden", ohne Höhenmeter zu überwinden - für eine Passüberwindung recht ungewöhnlich. 
Das sind Thesen - ich bin offen für Hinweise und Gegenargumente. 

Die folgenden Fotos sind im Frühjahr 2026 entstanden und zeigen beispielhaft parallele Wegspuren der Platter Straße zwischen Platte und Nordfriedhof. Es gibt viel mehr historische Wegrinnen als abgebildet, man muss sich die Relikte der Handelsroute abschnittsweise eher als breite Altwegbündel vorstellen. 

Direkt unterhalb der Platte führt nach links der Graf-Hülsen-Weg, nach rechts die (abgebildete) Alte Platter Straße. Sie ist als alte Waldchaussee bereits auf der Militärkarte von 1819 verzeichnet. Die etwas nach Westen verschobene heutige Platter Straße/B 417 wurde weit später, im 20. Jh. angelegt bzw. ausgebaut. 


Derweil geht's an der benachbarten Kabelschneise Richtung Rabengrund direkt los mit den alten Wegrinnen der Platter Straße. Der abgebildete Hohlweg liegt etwa 200 Meter entfernt von der heutigen Schnellstraße gleichen Namens. 


Hohle unterhalb der Alten Platter Straße


Entgegen der Laufrichtung fotografiert - hier ist das Profil der Wegrinne im Hang plastisch zu erkennen. 


Unterhalb der Alten Platter Straße, im südwestlichen Teil des Flurstücks Steinhaufen, ist der "Bündelcharakter" der historischen Route gut zu erkennen. Das Bild zeigt drei alte Wegverläufe als terrassenartige Struktur. Stellenweise sind diese Bündelungen noch erheblich breiter! 


Die Wegrinnen sind inzwischen stark abgeflacht, aber teils noch bis 1,5 Meter tief. 


Im heutigen Flurstück Kisselborn macht die historische Route der Platter Straße die Wende nach Westen zur Quelle "Kisselborn" und verläuft dabei auf Gelände ohne nennenswertes Gefälle. Entsprechend sind hier kaum eingeschnittene Wegverläufe zu erkennen (fehlende "Weg-Erosion"). Die abgebildete Schneise ist wahrscheinlich neueren Ursprungs, aber auch ganz hübsch. 


Eine flache Wegrinne der originalen Platter Straße trifft im Distrikt Kisselborn auf die Wanderroute "gelber Balken". 


Direkt östlich angrenzend an den eigentlichen Kisselborn sind im Gelände die alten Spuren zu erkennen. Nur noch 100 Meter bis zur Erfrischung! 


Eingang in die historische Brunnenkammer des Kisselborns - ich gehe davon aus, dass hier in der Nähe in alten Zeiten eine offene Waldquelle war.  


Südlich des Kisselbornstollens ist der Verlauf der ursprünglichen Altstraße klar zu erkennen. Dieser Hohlweg trifft direkt auf eine dreistrahlige Wegkreuzung (zwischen der B 417 und dem Knick im Kisselbornweg). 

Texte über den gefassten Kisselborn erwähnen, dass das gewonnene Wasser über Rohrleitungen nach Wiesbaden geleitet wurde; ich kann nicht einschätzen, ob und wo heute eventuell noch Gräben für diese alten Leitungen erkennbar sind. Was ich hier als Hohlwege beschreibe, halte ich nach bestem Wissen auch für solche. 


Dieses Wegstück zwischen Kisselbornweg und B 417 ist Teilstück der Wanderroute "gelber Balken". Links und rechts im angrenzenden Wald befinden sich alte Verläufe der originalen Platter Straße, so dass dieser Forstweg authentischer die historische Route repräsentiert als die heutige Schnellstraße. 


Links/östlich neben dem "gelben Balken", im Gräfenrod, gibt es einen Graben von teils über 1,5 Metern Tiefe - ein alter Hohlweg! 


Im gegenüberliegenden Waldstreifen (angrenzend an die B 417) habe ich eine weitere auffällige Grabenstruktur vorgefunden - nicht sonderlich tief, aber mit rund 5 Metern Breite dennoch recht mächtig. 




Östlich am Gewachsenesteiner Kopf, Höhe Gräfenrodwiese, befinden sich weitere alte Wegrinnen. 


Aber huch - auch westlich am Gewachsenesteiner Kopf, unweit vom grünen Handymast an der heutigen Platter Straße, befinden sich sanft in's Gelände eingeschnittene Spuren (hier kreuzt ein inoffizieller Biker-Trail). Der kleine Berg wurde also von den Reisenden beidseitig umgangen. 


Auf dem Parkplatz Rabengrund wuseln täglich Dutzende Menschen umher. Wem sind die alten Wegtrassen der historischen Hühnerstraße direkt vor der Kühlerhaube aufgefallen? 


Das Areal unterhalb des Parkplatzes, Distrikt Himmelswiese, ist durchpflügt von flachen Rinnen. Es ist denkbar, dass der hier verlaufende "wilde" Abschnitt vom Kisselbornweg seinen Ursprung in genau so einer alten Spur der originalen Platter Straße hat. Merke: Sein alternativer Name lautet "Platter Pfad". Also auch hier: Der untere Kisselbornweg repräsentiert die historische Handelsroute sicher authentischer als das, was man heute "Platter Straße" nennt (die B 417)! 


Parallele alte Wegrinne im Distrikt Himmelswiese; die heutige Platter Straße befindet sich hier in unmittelbarer Nähe. 

War ich bisher die ganze Zeit östlich der heutigen Platter Straße unterwegs, habe ich unterhalb vom Himmelsborn bzw. Teufelsgraben die Schnellstraße überquert und meinen Weg Richtung Wiesbaden rechts davon fortgeführt. 


Auch im Flurstück Felixwald sind alte Wegspuren der Handelsroute zu erkennen. 


Zwischen dem Freizeitgelände unter den Eichen und dem Nordfriedhof ist der Waldstreifen sehr schmal, aber selbst dort ist eine alte Wegspur klar zu erkennen. 


Kurz vor'm Ortsrand gab es noch ein überraschendes kleines Highlight: Ausgerechnet im unscheinbaren Waldstück, östlich angrenzend an die Filmakademie, und somit schon mitten in der Zivilisation gelegen, zeigen sich noch einmal ganz deutlich die spannenden Artefakte der historischen Handelsroute. 


Dieser Hohlweg ist stark abgeflacht, aber immer noch zwei Meter tief. Von meinem Standpunkt aus konnte ich über den Zaun auf das Gelände der Filmakademie spucken (wenn ich gewollt hätte). 

Als Wanderer meide ich die Platter Straße seit Jahren so gut es geht, aber nach dieser Tour habe ich einen neuen Blick darauf. 

Tour mit Rentmauer & Gewachsenestein

unterwegs Anfang November 2022 in Wiesbaden-Nordost:

Von der Platte kommend nach etwa einem Kilometer Laufen Richtung Südwest per Route "gelber Balken": Blick über den nördlichen Bereich der Wehener Wand mit Eichelberg (rechts im Hintergrund)


Rentmauerweg/"gelber Balken" ganz in der Nähe (Blick entgegen der Laufrichtung)


Im nordöstlichen Bereich der Rentmauer gibt es einige auffällige Vertiefungen. Ich wurde neulich von einem Kenner des Gebiets angeschrieben, der überzeugt ist, dass es sich hierbei um Spuren archäologischer Grabungen handelt (hier oben befand sich einst eine römische Siedlung). Ich habe diese Vertiefungen an anderer Stelle als Pingen gedeutet, habe dazu allerdings keinerlei Belege.


Dafür habe ich den trigonometrischen Punkt der Rentmauer gefunden!


Aussicht vom westlichen Bereich der Rentmauer nach Südost


im oberen Westhang der Rentmauer mit Blick zur Hohen Wurzel


Jakob-Schwender-Buche am Rentmauerweg


im Flurstück Oberer Gewachsenestein


im nordwestlichen Bereich Oberer Gewachsenestein


Auf dem Grenzweg zwischen Oberer und Unterer Gewachsenestein - ein Hinweisschild an dieser fünfstrahligen Kreuzung deklariert dieses Areal als "Naturschutz- und Wildnisgebiet". Was'n das? Bei einem Telefonat mit dem zuständigen Forstamt habe ich gelernt: Es handelt sich dabei nicht um ein Naturschutzgebiet im juristischen Sinne, aber dieser Distrikt wird sich selbst überlassen, soll sich "natürlich in eine Wildnis verwandeln" - naturbelassene Wildnis direkt an der Platter Straße. Naja, einige Nebenwege (wie die zwei abgebildeten) sind inzwischen tatsächlich verwildert, von Sturmholz versperrt, teils kaum mehr passierbar.
Nachtrag: Wenig später wurde dieses Areal sehr wohl zu einem amtlichen Naturschutzgebiet erklärt - "Wehener Wand und Rentmauer Wiesbaden". 


Flurgrenzweg im Gewachsenestein nahe Platter Straße, Blick zurück


Einmal über die Platter Straße gehüpft im Bereich Gewachsenesteiner Kopf: Auf dieser Höhe gibt es beidseitig parallel zur Platter Straße leicht vertiefte Altwege (kaum mehr als 50cm tief). Das sind alte Wegrinnen der originalen Platter Straße. Ihr Verlauf führt zunächst von Wiesbaden nach Neuhof, dann weiter als Hühnerstraße über Zugmantel, Görsroth etc. bis Limburg. Laut Wikipedia besteht diese Route seit "keltisch-römischer Zeit". Ich behaupte nicht, dass der abgebildete Graben aus vorchristlicher Zeit stammt, interpretiere ihn aber dennoch als historisches Artefakt. 


mächtige kaputte Eiche am Gewachsenesteiner Kopf


Die Wanderroute "gelber Balken" unterhalb des Hupfeldwegs im Distrikt Himmelswiese führt zur...


Hellkund.


Von der Wilhelm-von-Opel-Schutzhütte im Teufelsgraben ist es nicht mehr weit zum oberen Nerotal.

östliche Rentmauer + zwei Wiesbadener Raritäten

Im Zusammenhang mit der Rennrodelbahn Hohe Wurzel hatte ich eine anregende Korrespondenz mit Oliver. Wenig später berichtete er mir vom Kisselbornstollen und der Villa Waldfriede - das sind die beiden im Titel erwähnten "Wiesbadener Raritäten" (weil wohl nur ausgebufften Kennern des hiesigen Taunus bekannt).
Im Kern geht's bei dieser Tour (Anfang Oktober '21)  von der Platte in's Adamstal - beides sehr beliebte und bestens bekannte Ausflugsziele Wiesbadens. Die Distanz habe ich allerdings recht konsequent über eher obskure Wege zurückgelegt:

Wilder biker trail im östlichen Zipfel der Rentmauer, noch nahe Platte; wenn man links den Hang hinunterpurzelt, landet man praktisch direkt auf der Platter Straße.


Holzdinge laden zur Rast ein: "Hallo du, mach mal Rast!"


biker trail in der östlichen Rentmauer


ähnlich, hier Blick entgegen der Fahrt-/Laufrichtung; die sichtbare Kahlfläche grenzt links direkt an den oberen Rentmauerweg an (a.k.a. Rheinhöhenweg und Wanderroute "gelber Balken")


biker trail trifft Wiesbadener Weg


Hohlweg in der Rentmauer (ein kleines "Portrait" dazu gibt es hier)


Im Hang oberhalb des Hohlwegs, gar nicht weit entfernt vom Rentmauerweg, hat's einige metergroße Vertiefungen - ich nehme an alte Pingen.


- und direkt daneben ein alter Meilerplatz - hier war mal richtig was los!


Blick vom Hang der östlichen Rentmauer über's Flurstück Oberer Gewachsenestein


kurz nach Osten über die Platter Straße gehüpft: Kisselbornstollen im Flurstück Kisselborn (ca. 1km südwestlich von der Platte)


Blick in ein altes Wasserbecken, zum Kisselbornstollen gehörend; ich will gar nicht genauer beschreiben, wo sich dieses Ding befindet, da die Stelle nicht abgesperrt/abgesichert ist - mir erscheint dieses Loch aber ziemlich gefährlich! Wenn man da reinfällt, hat man wahrscheinlich ein echtes Problem.


oberer Kisselbornweg (führt zum Parkplatz Rabengrund)


Kaputte Eiche am Gewachsenesteiner Kopf - ein fettes Teil!
Ich glaube der große senkrechte Riss durch die Basis ist neu :o(


Der oben bereits erwähnte biker trail kreuzt am Gewachsenesteiner Kopf einen ~1m tiefen Altweg.


Oberer Teufelsgraben - das ist mal ein Hohlweg!
Im Rücken hat's die Platter Straße und den Himmelsborn.



Überreste der Villa Waldfriede im Flurstück Poths'scher Wald, angrenzend an's Adamstal; im Bild die ehemalige Teichanlage mit der einstigen "Insel der Seligen" (rechts vom Bildzentrum)